{"id":13,"date":"2007-08-07T18:06:43","date_gmt":"2007-08-07T16:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/bernardia.at\/?page_id=13"},"modified":"2014-09-25T15:28:24","modified_gmt":"2014-09-25T14:28:24","slug":"stams","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.bernardia.at\/?page_id=13","title":{"rendered":"Stams"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wissenswertes \u00fcber Stams&#8230;<\/strong><br \/>\n<em>Text und Fotografien: Thomas Palfrader<\/em><\/p>\n<p><strong>Kurze Geschichte des Zisterzienserklosters<\/strong><br \/>\nDie erste urkundliche Erw\u00e4hnung des Namens &#8218;Stambs&#8216; f\u00e4llt in das Jahr 1065, es bezeichnet auf einer Urkunde ein Lehensgebiet der Edlen von Wangen. In dieser Siedlung existierte bereits eine vielbesuchte Wallfahrtskirche zum Hlg. Johannes dem T\u00e4ufer unweit des Areals der heutigen Pfarrkirche.<br \/>\nDie Geburtsstunde des Stiftes Stams schl\u00e4gt im Jahr 1273: Graf Meinhard II. von G\u00f6rz-Tirol beabsichtigte, hier ein Kloster zu stiften, welches fortan als Begr\u00e4bnisst\u00e4tte der Grafen von G\u00f6rz-Tirol dienen solle. Eine popul\u00e4re Legende besagt ferner, dass die Gr\u00fcndung des Klosters auf den grausamen Tod des letzten Staufers Konradin &#8211; er wurde 1268 in Neapel enthauptet &#8211; zur\u00fcckzuf\u00fchren sei: Die Mutter Konradins, Elisabeth von Wittelsbach (gest. 1273, in erster Ehe mit dem Stauferk\u00f6nig Konrad IV. verheiratet), soll ihren Mann, Graf Meinhard II. gebeten haben, einen Ort des Ged\u00e4chtnisses f\u00fcr ihren so ungl\u00fccklichen Sohn zu stiften (&#8222;Mors Conradini &#8211; Vita Stamsii&#8220;).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bernardia.at\/wp-content\/uploads\/2007\/08\/fassade.jpg\" alt=\"fassade.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>Die Westfassade des Klosters, der sog. F\u00fcrstentrakt, wird momentan renoviert, von den Renovierungsarbeiten betroffen ist auch der (bis voraussichtlich 2003 gesperrte) barocke Bernardi- oder F\u00fcrstensaal. Hier fand 1985 das 50. Stiftungsfest Bernardias statt.<\/em><\/p>\n<p>1273 hielt der Gr\u00fcndungsconvent, unter ihnen der erste Abt Heinrich von Honstetten, Einzug in Stams, das Mutterkloster war die Zisterze Kaisheim (bei Donauw\u00f6rth, in Bayern gelegen). Es muss als traurige Ironie der Geschichte betrachtet werden, dass dieses Kloster am Beginn des 19. Jahrhunderts aufgehoben wurde (Stams widerfuhr \u00c4hnliches, doch gab es hier einen Neubeginn). Das erste h\u00f6lzerne Kloster lag unweit der heutigen Pfarrkirche, das heutige Stiftsareal konnte nach elfj\u00e4hriger Bauzeit 1284 bezogen werden. Graf Meinhard II. hat das Kloster mit Privilegien und Schenkungen reichlichst ausgestattet, sodass sich wirtschaftliche Prosperit\u00e4t alsbald einstellte. 1295 starb Graf Meinhard, er wurde mit seiner Frau in der Gruft (heute links vor dem Hochaltar gelegen) der Stiftskirche beigesetzt.<br \/>\nRasch wurde Stams zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Zentrum der Region, Privilegien wurden erweitert bzw. best\u00e4tigt, Lehen existierten bis in den schw\u00e4bischen Raum und nach Bayern. Im 14. Jahrhundert wurde den Stamser Patres sogar die Bewahrung der Reichskleinodien f\u00fcr einige Jahrzehnte anvertraut.<br \/>\nDas 16. Jahrhundert lie\u00df dann dunkle Schatten \u00fcber der Klostergemeinschaft aufziehen: 1525 kam es im Zuge der Bauernaufst\u00e4nde zu Pl\u00fcnderungsaktionen, 1552 devastierte Kurf\u00fcrst Moritz von Sachsen in den Wirren der Schmalkaldischen Kriege das Kloster abermals. Schlie\u00dflich vernichtete ein Gro\u00dffeuer 1593 gro\u00dfe Teile des Klosterkomplexes. Zwischen 1650 und 1750 setzt dann eine rege Baut\u00e4tigkeit in Stams ein, bei welcher u.a. die beiden markanten &#8218;Zwiebelt\u00fcrme&#8216; (unter Abt Edmund Zoz) errichtet und die Stiftskirche von romanischer Grundlege auf dem barocken Baustil umgewandelt wurde. Auch stammt die wesentliche barocke bis rokoko-stilistische Innenausstattung (Deckenfresken, Stukkaturen, die schmiedeeisernen Gitter nebst anderem) der Kirche aus dieser Zeit. Eine Klosterschule wird unter Abt Thomas Lugga (fr\u00fches 17. Jhdt.) erw\u00e4hnt, seit 1778 gab es auch f\u00fcr einige Jahre ein Chorseminar f\u00fcr Knaben.<\/p>\n<p>Die politischen Umw\u00e4lzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts machten auch vor Stams nicht halt: Der S\u00e4kularisierungswelle unter dem &#8218;Aufkl\u00e4rer&#8216; Josef II. entronnen, hoben die bayerischen Beh\u00f6rden &#8211; es war die Zeit der Besatzung! &#8211; 1807 das Kloster auf, 1816 wurde es aber unter Kaiser Franz I. wiedererrichtet. Auch Kaiser Franz Joseph hat Stams einmal besucht, eine Gedenktafel links unterhalb des Rosengitters erinnert daran.<br \/>\n1938 wurde das Stift Stams von den nationalsozialistischen Machthabern besetzt und ein Jahr sp\u00e4ter offiziell aufgel\u00f6st, die Patres unter fadenscheinigen Vorw\u00fcrfen verh\u00f6rt, eingesperrt, ins Exil getrieben. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs diente die Stiftskirche als Lagerhalle, in den anderen R\u00e4umlichkeiten waren Optanten aus S\u00fcdtirol und gegen Kriegsende Fl\u00fcchtlinge aus den deutschen Ostgebieten untergebracht. 1945 gab es einen zweiten Neubeginn, wesentlich zur Konsolidierung des monastischen Lebens haben M\u00f6nche aus der Zisterzienserabtei Sticna (Sittich) im damaligen Jugoslawien (heute Slowenien) beigetragen, welchen nach der Flucht vor den kommunistischen Schergen Titos Stams eine neue Heimat werden sollte, unter ihnen der popul\u00e4re Pater Stefan Krizisnik und der sp\u00e4tere Abt Pater Bernhard Slovsa. Unter Abt Bernhard (1973-1985) wurde die Stiftskirche grundlegend renoviert (u.a. der fr\u00fchbarocke Hochaltar von B. Steindle mit erheblichem finanziellen Aufwand) und Stams wurde auch zur politisch-gesellschaftlichen Begegnungsst\u00e4tte, als hier u.a. der Staatsbesuch des schwedischen K\u00f6nigspaares 1979 Station machte und 1984 der deutsche Bundespr\u00e4sident von Weizs\u00e4cker dem Stift einen Besuch abstattete. Im selben Jahr erhob Papst Johannes Paul II. die Stamser Stiftskirche in den Rang einer &#8218;Basilica minor&#8216;, ein Jahr sp\u00e4ter erfolgte die Verleihung des Preises &#8218;Europa Nostra&#8216; f\u00fcr die herausragend gelungene Renovierung der Stiftskirche.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bernardia.at\/wp-content\/uploads\/2007\/08\/lothar.jpg\" alt=\"lothar.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>Seit 1273 residiert der Zisterzienserorden im Stift Stams. Frater Lothar im Habit des Ordens hei\u00dft Besucher vor dem markanten Portal des Kloster (mit dem Wappen der Zisterzienser) herzlich willkommen!<\/em><\/p>\n<p>Die Hauptarbeitsaufgabe der Stamser Patres liegt heute in der seelsorglichen T\u00e4tigkeit: Von den 22 Stamser Konventualen sind elf im Dienste der Seelsorge t\u00e4tig; u.a. in den Ortschaften Stams (P. Michael Falkner), M\u00f6tz (P. Johannes Messner), Obsteig (unser Verbindungsseelsorger P. German Erd), Wildermieming (P. Claudio Wolfsgruber), Schnann am Arlberg (P. Andreas Rolli) und Sankt Peter bei Meran (P. Michael Glink).<\/p>\n<p><strong>Das Gymnasium &#8218;Meinhardinum&#8216; Stams<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bernardia.at\/wp-content\/uploads\/2007\/08\/schule.jpg\" alt=\"schule.jpg\" \/><\/p>\n<p><em>Blick auf das Meinhardinum Stams, ehemals Stiftsm\u00fchle. Ganz im Vordergrund (unteres Bilddrittel) ist die neue Turnhalle zu erkennen, im Bildhintergrund die markanten oktogonalen T\u00fcrme (unl\u00e4ngst renoviert) sowie das Reiterstandbild von Graf Meinhard II (am \u00e4u\u00dfersten rechten Bildrand).<\/em><\/p>\n<p>Unsere Schule (nebst dem Internat des Meinhardinums) stellt sich in <a href=\"http:\/\/www.meinhardinum.at\" target=\"_blank\">ihrer Homepage<\/a> mit ausf\u00fchrlichen Informationen selbst vor!<\/p>\n<p><strong>Bernhard von Clairvaux und die Zisterzienser<\/strong><br \/>\nDer Hlg. Bernhard von Clairvaux ist zwar, strenggenommen, nicht der Gr\u00fcnder der Zisterzienserkongregation (das war der Hlg. Robert von Molesme, welcher 1098 das Reformkloster Citeaux in Frankreich gr\u00fcndete), dennoch ihr gro\u00dfer Doyen, Mentor und &#8218;Zweiter Gr\u00fcnder&#8216;. Um das Jahr 1091 in Burgund geboren, trat er 1122 in das Kloster Citeaux ein und gr\u00fcndete 1125 das Kloster Clairvaux, von wo aus noch zu Lebzeiten Bernhards siebzig (!!) weitere Klostergr\u00fcndungen erfolgten! Zeitlebens pflegte Bernhard gute und intensive Beziehungen zu den politisch Einflussreichen seiner Zeit, etwa zum franz\u00f6sischen K\u00f6nig Ludwig VII. und zum deutschen Kaiser Konrad III. (also besteht auch eine indirekte Beziehung zum Stift Stams, wenn man das Schicksal des letzten Staufers Konradin als m\u00f6glichen Gr\u00fcndungsanlass heranzieht). Politischen Einfluss gewann Bernhard als Kreuzzugprediger, was die Beurteilung des Ordensgr\u00fcnders heute oft als indifferent erscheinen l\u00e4sst. Am 20. August 1153 starb Bernhard, im Lichte seiner Zeit das Idealbild eines dem\u00fctigen M\u00f6nches verk\u00f6rpernd.<\/p>\n<p>Das Motto des Zisterzienserordens lautet (\u00fcbernommen vom Benediktinerorden als &#8218;Stammorden&#8216;): ORA ET LABORA &#8211; Bete und arbeite! Nicht so stark das gesellschaftliche und politische &#8218;Engagement&#8216; steht im Zentrum des Ordens, mehr Kontemplation, Gebet, Arbeit in der Seelsorge und im Schulwesen, fr\u00fcher auch Kultivierung von Landwirtschaft und Feldarbeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenswertes \u00fcber Stams&#8230; Text und Fotografien: Thomas Palfrader Kurze Geschichte des Zisterzienserklosters Die erste urkundliche Erw\u00e4hnung des Namens &#8218;Stambs&#8216; f\u00e4llt in das Jahr 1065, es bezeichnet auf einer Urkunde ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":2,"menu_order":5,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"_EventAllDay":false,"_EventTimezone":"","_EventStartDate":"","_EventEndDate":"","_EventStartDateUTC":"","_EventEndDateUTC":"","_EventShowMap":false,"_EventShowMapLink":false,"_EventURL":"","_EventCost":"","_EventCostDescription":"","_EventCurrencySymbol":"","_EventCurrencyCode":"","_EventCurrencyPosition":"","_EventDateTimeSeparator":"","_EventTimeRangeSeparator":"","_EventOrganizerID":[],"_EventVenueID":[],"_OrganizerEmail":"","_OrganizerPhone":"","_OrganizerWebsite":"","_VenueAddress":"","_VenueCity":"","_VenueCountry":"","_VenueProvince":"","_VenueState":"","_VenueZip":"","_VenuePhone":"","_VenueURL":"","_VenueStateProvince":"","_VenueLat":"","_VenueLng":"","_VenueShowMap":false,"_VenueShowMapLink":false,"footnotes":""},"class_list":["post-13","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":384,"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/13\/revisions\/384"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bernardia.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}